— KATHMOGRAPHY

kinderarbeit.

bei de biennale voor social design in utrecht, gab es einige interessante anregungen zum thema soziales design. vor allem drehten sich die gespräche um das projekt von lucas maassen, der gemeinsam mit seinen drei söhnen thijme (9), julian (7) und maris (7) möbel produziert.

die geschichte ist die, vater – ein designer – bezahlt seine söhne dafür, dass sie die von ihm gebauten möbelstücke kolorieren. der akt wird als familienunternehmen abgetan und die jungen haben einen arbeitsvertrag, in dem festgelegt wird, dass sie 1 euro pro fertigen sessel ausbezahlt bekommen.

nun, man würde hier sofort schreien: “kinderarbeit!” – war womöglich auch mein erster gedanke als ich vor monaten über dieses projekt gestolpert bin. es hat durchaus einige zeit gedauert, um mir tatsächlich eine meinung zu bilden.

klar, sind wir als gesellschaft von all den bildern gezeichnet, die uns stets von diversen reportern unterbreitet werden, wie kinderarbeit schrecklich ist etc. ich sage hier auch nicht, es wäre anders. doch erinnere ich mich an meine kindheit zurück, da war es meiner mutter zu helfen, das was ich am liebsten gemacht habe. ich habe für sie briefe ausgetragen oder briefe einkuvertiert, pakete verpackt und wer weiß was noch in all den studen, die ich bei ihr im büro verbringen durfte. da sie eine allein erziehende mutter war, wurde mir auch ein womöglich ganz anderer zugang zu der erwachsenenwelt gewährt. ich wusste, wieviel was kostet und wie lange man dafür arbeiten muss und vor allem, dass man arbeiten muss, wenn man etwas haben möchte.

weiters, was ich am beispiel von maassen noch viel mehr als beispielhaft betrachte, ist die offensichtliche gutheißung der fehler. man wird zum machen aufgemuntert und nicht für fehler kritisiert. in fehlern, liegt die einzigartigkeit und ich persönlich kämpfe immer noch täglich damit, dass ich gewisse sachen gar nicht erst anfange, weil mir sofort all die hürden in den sinn kommen, die dabei auftreten könnten. es mag ein doppeltes statement hinter maassens arbeiten liegen. der sinn der arbeit und die wertschätzung von fehlern und da liegt dann jeder kinderarbeitvorwurf völlig daneben.

Bildquelle: http://www.lucasmaassen.nl


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