schröderhaus.
aus der sicht eines designers ist die wertvollste sehenswürdigkeit utrecht’s das schröder haus von gerrit rietveld. das haus wurde 1924 am rande einer wohnstrasse gebaut – auf einem weitläufigen grundstück, welches von den lkw fahrern vor allem zum ‘pinkeln’ verwendet wurde. obwohl heutzutage wahrscheinlich keiner mehr aus diesem grund vorbeischaut, wurde in den siebzigern eine autobahn angrenzend gebaut, welche auch aus heutiger sicht die lage als unattraktiv abwertet.
dieses haus mit den heutigen augen zu betrachten gibt wenig einblick. für heutige verhältnisse sind bauhaus oder de stijl bauten leicht verwechselbar, doch vergleicht man diese mit anderen bauten der zwanziger, wird schnell klar, welches vorreiterdenken hier geleistet wurde.
beim schröderhaus handelt es sich um ein einstöckiges gebäude, welches nicht von aussen nach innen, sondern eher von ihnen nach aussen geplant wurde. den übergängen zwischen den einzelnen sphären wurde eine besondere bedeutung zugeschrieben. dieser gedanke erklärt auch, weshalb ein offener grundriss ohne fixer wände gewählt wurde.

während im erdgeschoss ein eher traditioneller grundriss vorherrscht und auch ein gebräuchliches zimmer für’s hausmädchen eingeplant wurde (wobei im haus nie ein hausmädchen lebte), ist das gesamte obergeschoss offen. die bauliche besonderheit des erdgeschosses ist die vielzahl an türen, die es den bewohnern ermöglicht, zu jeder zeit das haus frei zu verlassen. in diesem sinne sind zwar alle räume miteinander verbunden, wie es eben üblich war, doch ist man als nutzer des hauses nicht unbedingt gezwungen durch andere räume beim verlassen durchgehen zu müssen. das obergeschoss macht auf den ersten blick einen offenen eindruck. über nacht wurden schiebewände aufgestellt, die eine art privatsphäre bieten sollten. die qualität dieses arrangement lässt rasch darauf schliessen, dass dies eher unzureichend passierte und es verwundert nicht, das schröder’s kinder auch jahre später behaupteten, nie ein eigenes zimmer besessen zu haben.
das haus ist bis zum letzten detail durchdacht. die möbel wurden meist als einbaumöbel geplant, wobei ihre umstellung den einzelnen tätigkeiten angepasst wurde. im sinne von truus schröder – man soll das haus zwar respektieren, doch auch nutzen, denn dazu ist es da.
die einzigartigen mechaniken überraschen. die positionen der lichtschalter, glühbirnen, so auch wie die positionen und maße der regale. in der mitte von solch einem werk stehend wird man rasch mit gedanken konfrontiert, wie grundrisse geplant werden sollten und welche lebensumstände und aktivitäten von bedeutung sind. die vielfalt der überlegungen zu beschreiben, wären im ausmaß eines buch’s. ich empfehle vorbei zu schauen. es zahlt sich aus.
Bildquelle: http://jacqueline820.wordpress.com & kathmography.com



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