selbstdarstellung 2.0 – arbeitsplatz peepshow
als ich letztes jahr wieder einmal einen dieser schweren momente hatte und telefonierend im bett mit einer meiner besten freundinnen lag, stellte ich die frage in den raum, wie es denn sein kann, dass die ganzen bloggerinnen ein so ein “perfektes leben” haben können.
perfekte eltern, perfektes studium, perfekter freund, perfekter job.
wie geht das? als antwort bekam ich zurück, dass niemand gerne seine schwächen zeigen möchte. wir leben in einer zeit, wo selbstdarstellung automatisiert wurde. es ist für uns selbstverständlich geworden, uns im best möglichen licht zu präsentieren.
nun, wieso spinnen wir uns ein so ein hartes selbstdarstellungsnetz in dem wir uns perfekt und unantastbar präsentieren? wieso muss immer alles perfekt erscheinen, auch wenn es nicht perfekt ist? DIY projekte gehen genauso selten in die hose, wie die prüfung, die man schrieb und es auch seinen lesern kommunizierte.
seit wochen läuft auf SKiR eine rubrik mit dem namen: monday sucks. darin werden arbeitsplatzfotos verschiedener blogger und personen, die in den creative industries arbeiten, präsentiert. diese räume sind alle – wie könnte es denn auch anders sein – immer völlig zusammengeräumt. und ordentlich. und da stell ich mir die frage: wieso muss immer alles, was wir von uns geben so perfekt sein? unsere fotos, wie unsere wohnungen; schliesslich leben wir in einer zeit, wo nicht mehr das maschinelle und fehlerlose als positiv empfunden wird, sondern viel mehr das menschliche. wann hören wir also mit dieser theatralik wieder auf?
unter diesem link geht’s zu bildern von meinem arbeitsplatz vor einer woche. hier unten dann wie es jetzt aussieht. nach einem großputz, versteht sich.




[...] Flucht, Leben, Öffentlichkeit, Studium 13.06.2011 0 oder: Let’s fail more beautiful Monika schreibt über Selbstdarstellung 2.0. Die ganzen BloggerInnen haben perfekte Eltern, perfekte Freunde und perfekter Job. Es hat mich [...]
“perfekte eltern, perfektes studium, perfekter freund, perfekter job.” – Den Eindruck habe ich nicht. Die Blogger, die ich lese, schreiben oft über ihre Zweifel, Ängste und Probleme, jedenfalls öfter als darüber, wie gut es ihnen geht. Das Internet ist da ja auch eine schöne Möglichkeit, sich auszuheulen und die Sachen aufzuschreiben, die sich im Leben keiner anhören will. Außerdem finde ich das persönlich auch schöner zu lesen als ausgestelltes Glück.
Womöglich sollten wir beiden für paar Tage den Feedreader tauschen ;)
Spass bei Seite. Mir geht’s mit diesem Artikel natürlich auch um das Thema der Retusche u.ä.
“es ist für uns selbstverständlich geworden, uns im best möglichen licht zu präsentieren.”
Leider… Habe es bei Luca gerade geschrieben. Ich finde es klasse, wenn man auch mal darüber schreibt, wie scheisse es doch auch laufen kann. Aber das trauen sich die wenigstens. Ich vermeide es auch oft. Vielleicht auch aus dem Grund, dass ein Blog nicht vergisst. Die traurige Nachricht ganz oben steht, obwohl man aus dem Loch wieder raus ist.
Das ist sehr schön gesagt.. Auf der anderen Seite, kann man solch Beiträge auch später löschen, denn nach 30 Tagen hat auch Google vergessen..
ich gebe dir recht aber ich denke, man schreibt nicht gerne über “shit happens”-momente, weil man sich dadurch angreifbar macht und es dann dem blogger vorgehalten werden kann, natürlich unter anonymen kommentaren ;)
und das noch jahre später…
aber es ist ein sehr interessantes thema, welches man wunderbar weiterspinnen könnte, persönlich, im café ;)
Mädel, wann hast du Zeit? Zwecks Geheimentführungspicknick?! ;)
Hmm! JA! an sich gebe ich dir vollkommen recht. ….blogs scheinen eine einzige große “heile welt” zu sein!
…das ist auch ehrlich gesagt genau das, was mich anfangs aufgeregt hat. ….ebenso, wie mich manches people-magazin aufregt, wenn es das vermeintlich perfekte leben der stars darstellt. ….mich hat ärgerlich gemacht, dass es scheinbar menschen gibt, die diesem “schönen Schein” glauben!
Inzwischen denke ich aber anders. ….jetzte empfinde ich diese heile glitzer-welt der vielen fashionblogs eher als eine art “kurzurlaub” in eine andere, quasi perfekte welt. …..für ein paar minuten kann man seinem alltag entfliehen und in unbeschwerte luxusprobleme eintauchen – egal ob man user oder selbst der blogger ist.
…und solange man nicht das cyber- mit dem echten leben verwechselt ist doch alles schön:)))
http://www.trustinluxury.wordpress.com/
[...] schrieb über Selbstdarstellung im Netz. Luca antwortete. Ich schreibe nun auch ein paar Zeilen dazu, weil ich denke, dass die [...]
Danke für deinen tollen, ehrlichen Text! Ich habe ihn sehr gerne gelesen und stimme dir vollkommen zu. Ich habe mir auch erlaubt, deinen Text als Impuls zu nehmen und selbst darüber zu bloggen: http://wp.me/p1CEPs-jy
Das freut mich sehr. Bekomme hier leider viel zu selten Feedback und muss mich dann immer mit der Internetcontentpyramide beruhigen, weil ich es so schade finde ;)
Das Zeichen des ganzen Theaters ist allein, dass ich in meinem Text das Wort Depression umgangen bin – sowas hat man eben nicht. In meinem Fall ist es auch oft, dass Personen überrascht reagieren, wenn ich sehr emotional werde, weil ich es mir generell nicht gerne anmerken lasse, wenn mir etwas zu nahe geht; weil mir eben zu viele Sachen zu nahe gehen. Ich glaube auch, dass diese ganzen persönlichen Blogs so gerne gelesen werden, weil man gern einen Vergleich zu seiner selbst hat, ohne die mögliche Erniedrigung des Fragens hinter sich bringen zu müssen. Man kriegt halt leider nur ein verzehrtes Bild.
[...] gestern Abend über einen Blogbeitrag von Luca gestolpert, der wiederum mehr Ergänzung als Antwort auf einen Text von Monica ist. Beide Texte haben mich nachdenklich gestimmt und obwohl ich mich bereits Mitte Mai ausgeweint [...]
wir haben den gleichen schreibtisch und die selben gedanken zu diesem thema. ich hab mich auch schon des öfteren gefragt ob der sinn von manchen Blogs einfach nur die exzkessive darstellung des eigenen perfekten lebens inklusive perfekter (shoppingbeute) fotos und im weiteren sinne des hinweises wie wenig perfekt das leben der leser (scheinbar) ist … auch wenn man manche zweifel und selbstkritik anmerken wirkt es oft ziemlich pseudohaft auf “seht her ich bin nicht ganz perfekt (aber fast) und deswegen symphatisch)…
perfekte welt präsentieren:
manche menschen glauben, sie sind ihr ego. ein ego wird normalerweise aufgebaut durch das bild, das menschen von einem haben. würden alle ein schlechtes bild von dir haben, dann würdest du dieses bild von dir selbst auch annehmen.
deshalb stellen sich menschen immer gut dar. sie bekommen anerkennung u. bewunderung u. glauben, das sind sie dann. im prinzip ist dieses entstandene selbstbild ein teil vom ganzen wesen. doch manche sehen darin das wichtigste. würde es das ego nicht geben, gibt es sie auch nicht, denken sie.
intelligente menschen zweifeln an ihrem ego.
wunderbares kommentar. danke sehr.
bitte, sehr gerne!